Berufung finden, Blog

Hab Mut Gottes Ruf zu folgen!

Hier kommt ein Interview mit Sina – Marie. Wir lieben es, wenn unsere Studenten von ihrem Weg zu Gott sprechen. Interviews sollen dir helfen, deine Berufung mehr zu verstehen und Mut zu fassen, den Gedanken in dir zuzulassen in den pastoralen Dienst zu gehen. 

Name: Sina-Marie Baier

Alter: 19

Schulische Vorbildung: Fachhochschulreife mit Schwerpunkt in Gestaltung

“Sei mutig und stark! Denn du wirst das Land einnehmen, das ich euren Vorfahren versprochen habe, und wirst es den Israeliten geben. Halte dich mutig und entschlossen an das ganze Gesetz, das dir mein Diener Mose gegeben hat. Weiche kein Stück davon ab! Dann wirst du bei allem, was du tust, Erfolg haben.”

-Josua 1, 6-7 –

1. Was sind deine Begabungen und Stärken?

Ich habe Spaß daran Aktionen zu organisieren und Menschen anzuleiten. Ich mag es für jüngere Menschen da zu sein, um mich in sie zu investieren und ich kann andere gut zum Lachen bringen.

2. Was war dein Berufswunsch vor deiner Bekehrung? Was war deine Leidenschaft?

Seit ich fünf Jahre alt geworden bin wusste ich, dass ich in den Vollzeitdienst gehen möchte. Dieser Wunsch hielt sich auch über viele Jahre, aber durch einen Pastorenwechsel und mehrere negative Erfahrungen in meiner damaligen Gemeinde schob ich ihn wieder beiseite. Ich habe Fußball gespielt und bin zum Reitsport. Ich war fast jeden Tag im Stall, denn Pferde machen mich glücklich. Ich begegnete dort einer Art von bedingungsloser Liebe, die ich lange nicht gespürt hatte! Es ist ein tolles Gefühl wenn sich ein bestimmtes Pferd jedes Mal freut dich zu sehen und dich freudig begrüßt, egal wie es einem vorher ging. Irgendwann habe ich angefangen beim Reitunterricht für Kinder zu helfen, bei Geburtstagsfeiern und sonstigen Aktionen. Ich habe mit den Kindern die Pferde für den Reitunterricht fertig gemacht und ihnen gezeigt wie man mit solch einem Tier umgeht, es putzt und sattelt.

Als Beruf habe ich etwas gesucht bei dem ich Kontakt mit Menschen habe, ihnen helfen kann und am besten nicht die ganze Arbeitszeit im Büro sitze.

Ebenso habe ich mir ein paar verschiedene Berufe angeschaut. Nach einem Praktikum bei der Polizei entschied ich mich dafür.

3. Wie bist du von deinen Eltern und deinem Zuhause geprägt worden?

Meine Familie ist größtenteils atheistisch. Als meine Mama älter wurde, hat sie für sich selbst die Liebe Gottes erkannt und hat mich auch christlich aufgezogen. Wir haben gemeinsam gebetet, sind zusammen in Heilungsgottesdienste und ähnliches gegangen. Meine restliche Familie war demgegenüber immer sehr skeptisch, aber hat es ohne weiteres toleriert.

4. Wann und wie hast du dich bekehrt? Wie kam der Sinneswandel, Pastor zu werden? Gab es eine bestimmte Situation als Auslöser?

Als ich ca. 5 Jahre alt war, auf einer Autofahrt mit meiner Mama, kamen wir in einen Stau. Ich war gelangweilt und hab angefangen herumzuquengeln. Weil keine Kinderkassette da war hat meine Mama eine Kassette von Gabi Wendtland eingelegt. Sie erzählte auf dieser Kassette von den Dingen die sie und ihr Mann gemeinsam mit Gott in Afrika erlebt hatten. Eigentlich dachte meine Mama, dass ich das Meiste davon noch nicht verstehen würde, aber ich war total begeistert. Ich habe mir alle Kassetten von Gabi Wendtland mit auf mein Zimmer genommen und immer wieder eine nach der anderen angehört.

In meinem Herzen entfachte ein Feuer. Ich wollte das auch, wollte auch diese Dinge mit Gott erleben und Menschen von der Liebe Jesu erzählen.

Dieses Feuer hielt sich über einige Jahre. Als ich in etwa 12 Jahre alt war gab es in meiner damaligen Gemeinde einen Pastorenwechsel, der mich sehr unglücklich gemacht hat. Das führte dazu dass ich nicht mehr in die Gemeinde ging. Erst einige Jahre später, als ich 16 war, wurde ich von Freunden auf eine christliche Freizeit mitgenommen. Dort begegnete Gott mir neu, ich erlebte Wunder über Wunder. Am Ende der Freizeit gab ich vor knapp 250 Leuten Zeugnis. Dieser Moment, als ich vorne auf der Bühne stand, vor so vielen Menschen um ihnen von Gott zu erzählen, war für mich unbeschreiblich. Ich hatte in der kommenden Zeit ununterbrochen den Eindruck dass Gott mich in den Vollzeitdienst ruft, habe Gottes Stimme in meinem Leben aber nicht wirklich viel Bedeutung gegeben, weil ich zu viel Angst hatte. Angst davor, dass es doch nicht Gott ist der mich beruft und ich versage. Angst davor, abgelehnt zu werden. Nicht genügend Menschen zu beeindrucken und viele weitere Gedanken dieser Art, die dazu führten, dass ich versuchte diesen Wunsch in mir wegzuschieben. Ich haderte ein ganzes Jahr mit Gott. In diesem Jahr ging ich wieder in meine alte Jugend. Leider gab der Jugendleiter nach kurzer Zeit die Jugend ab und es gab niemanden mehr der die Leitung übernehmen konnte, also wurde festgelegt dass jeder einmal einen Input vorbereiten soll. Das fand ich gar nicht toll, denn ich bekam Angst bei dem Gedanken, vor fünfzehn Menschen einen Input zu halten. Im Sommer nach der ersten Jugendfreizeit ging ich erneut auf ein Sommercamp. Dort legte ich Gott diesen Wunsch komplett hin. Ich bat Gott darum dass er mir den Wunsch nach dem Vollzeitdienst komplett wegnehmen solle, wenn er nicht von ihm war. Aber wenn er doch von Ihm war mir doch bitte die Gewissheit geben sollte, dass ich das auch kann. Ich bat ihn um Mut und die Gelegenheit mich auszuprobieren. In der Folge bekam ich das Sprachengebet, ich wusste auf einmal dass der Wunsch danach Pastorin zu werden, von Gott kam und dass Gott mich auch befähigen würde, diesem Ruf zu folgen. Das tat Gott. 4 Monate später übernahm ich eine eigene Kleingruppe und 7 Monate später predigte ich zum ersten Mal bei einem Jugendgottesdienst, wo ich auch die Leitung des Gebetsteams übernahm. Ich arbeitete in den Heilungsgottesdiensten mit, in denen ich als Kind selbst war, und im folgenden Sommer fuhr ich nicht mehr als Teilnehmer auf die Sommerfreizeit, sondern als Mitarbeiter. Ich konnte noch einige Male in Teenie Gottesdiensten predigen. Das alles war nur möglich, weil ich nicht mehr von dem Drang geleitet wurde, Menschen zu beeindrucken, sondern von Gott allein.

5. Hast du nicht Sorge, als Pastor ein ziemlich langweiliges und anstrengendes Leben zu führen? Verzicht, hohe moralische Ansprüche, ständig nervige Menschen oder sogar Arbeitslosigkeit?

Mit diesen Fragen habe ich mich in dem einen Jahr, in dem ich an meiner Berufung gezweifelt habe, sehr intensiv beschäftigt. Deshalb verstehe ich all diese Bedenken sehr gut. Also das mein Beruf langweilig werden wird, glaube ich kaum. Es gibt überall Bereiche wo Menschen Hilfe benötigen. Ob es auf der Straße ist, um obdachlosen Menschen die Wärme und Annahme von Gott zu bringen, oder in sozialen Brennpunkten eine Kinder- und Jugendarbeit zu starten…..

Man muss sich nur trauen, Gottes Ruf zu folgen!

Natürlich kann es gut sein, dass das Pastorenleben anstrengend wird, um ehrlich zu sein gehe ich davon aus, dass es manchmal so ist, aber zum einen, welcher Beruf ist das nicht ab und an und zum anderen, solange man darauf achtet dass man noch genügend Zeit für sich selber, die Familie und natürlich für Gott hat, denke ich, ist es ein super Zeichen wenn man als Pastor viel zu tun hat! Dass ich auf einige Dinge verzichten muss stimmt vermutlich auch, ob es für mich schlimm ist, ist vermutlich die bessere Frage. Nein, ich finde es nicht schlimm, dass für mich hohe moralische Ansprüche gelten. Es ist in meinem eigenen Interesse, ein Leben nach Gottes Willen zu leben. Und zwar nicht nur weil es in der Bibel steht, sondern vor allem weil ich Gott liebe und ich weiß, dass er mich auch liebt und nichts macht um mich einzuengen, sondern zum Schutz meiner Mitmenschen und auch zu meinem eigenen Schutz!

Wenn man mit vielen Menschen arbeitet ist es quasi unvermeidbar, dass man früher oder später mit Menschen in Kontakt kommt, die einen viel Energie Kosten. Jesus ist aber für alle Menschen gestorben, auch für diejenigen, die mir meine Nerven rauben. Auch diesen Menschen müssen wir mit Liebe begegnen, vor allem als Leiter. Es ist dann meine Aufgabe zu lernen wie ich irgendwann, wenn es mir zu viel wird, eine liebevolle Grenze ziehe und mir Dinge suche, bei denen ich wieder auftanken kann.

Zum Thema Arbeitslosigkeit kann ich nur sagen, dass es einfach ein Prozess ist zu lernen auf Gott zu vertrauen. Er ruft mich in den Dienst, er lässt mich nicht fallen! Und falls es irgendwann nicht mehr meine Aufgabe ist im Pastoralen Dienst zu arbeiten, dann bin ich dankbar dafür, dass wir in Deutschland leben und hier momentan viele Menschen später nochmal etwas anderes lernen.

6. Kannst du als Unternehmer oder Politiker nicht genauso effektiv das Reich Gottes bauen wie als Pastor?

Sicherlich. Ich denke man kann eigentlich in fast jedem Beruf das Reich Gottes bauen und es ist auch sehr wichtig dass wir in die Welt hinausgehen und dort das Evangelium verbreiten. Aber Gott hat andere Menschen definitiv mit mehr Talent in diesem Bereich gesegnet als mich. Da wo Gott uns befähigt sollten wir auch hingehen. Bei manchen Menschen ist es möglicherweise die Berufung zum Politiker oder Unternehmer, bei mir ist es der Vollzeitdienst.

7. In der THS-Akademie bekommst du einen realen Einblick in den Alltag eines Pastors – wie sieht dieser aus? Was magst du besonders daran und was nicht?

Der Alltag eines Pastors besteht meist aus sehr vielen organisatorischen Dingen, wie z.B. Predigt-und Gottesdienstvorbereitung, die Planung und Vorbereitung sämtlicher Abläufe. Ich würde sagen der größte Teil besteht vermutlich aus Papierkram. Natürlich kommen auch Meetings wie unter anderem Team-, Mentoring- und Seelsorgegespräche hinzu. Mir gefällt sehr gut, dass ich weiß, dass man alles aus Liebe zu Gott und anderen Menschen tut. Es gibt bis jetzt eigentlich nichts, was mir überhaupt nicht gefällt. Manchmal fällt es mir schwer, mich lange auf organisatorische Sachen zu konzentrieren, vor allem in Gruppen, aber ich bin zuversichtlich, dass das mit der Zeit kommt.

8. Was muss ein angehender Pastor unbedingt lernen?

Die eigenen Bedürfnisse wahr- und ernst zu nehmen.

Damit meine ich, dass man lernt, wie man ein gutes Gleichgewicht zwischen der Investition in andere Menschen und der Zeit, die man sich für sich selber und die persönliche Beziehung zu Gott nimmt, findet.

9. Viele Pastoren träumen vom großen Durchbruch und Gemeindewachstum und werden enttäuscht. Einige steigen aus. Woran liegt das deiner Meinung nach?

Ich denke, das liegt genau daran, dass sich viele Pastoren nach einer Weile in ihrem Beruf verlieren. Dass sie sich sehr viel um andere Menschen kümmern und sich selber zurückstellen. Das ist in Maßen eine wichtige Fähigkeit, aber oft passiert es dann, dass Pastoren ihre Maßstäbe in der menschlichen Welt suchen und nicht mehr auf Gottes individuelle Vision schauen. Zum Beispiel, wenn wir wollen, dass unsere Gemeinde wächst, damit wir vor möglichst vielen Menschen predigen können, um Aufmerksamkeit und Anerkennung von vielen Menschen zu bekommen und nicht mehr, damit möglichst viele Menschen zu Gott kommen. Wenn ich nun unbedingt meine Gemeinde in eine Mega Church verwandeln will, es aber Gottes Vision ist, dass ich, anstatt krampfhaft zu versuchen meine Gemeinde zu vergrößern, erstmal mein Konzept überarbeiten und vielleicht mehrere kleine Standorte gründen soll, kann ich den ersehnten Durchbruch nicht erreichen, da es der Durchbruch ist, den ich mir ersehne und nicht der Durchbruch, den Gott sich für mich ersehnt. Dann ist es nicht erstaunlich, wenn man beginnt zu zweifeln und sich zu fragen, ob man wirklich in den Vollzeitdienst gehört.

10. Warum hast du dich entschieden, bei der THS-Akademie deine Ausbildung zu machen und nicht an einer anderen theologischen Hochschule?

 

Ich glaube, dass Gott mich hierher gerufen hat.

Ich denke, dass ich hier lernen kann, wie ich trotz Stress im Beruf und in Krisen an Gottes Herzschlag bleibe.

11. Was hast du bisher am meistens gelernt? Wo hast du dich durch die Ausbildung verändert?

Ich habe gelernt selbstständiger zu sein, mehr Verantwortung zu übernehmen und natürlich ganz viel Griechisch.

12. Wenn du dir eine typische Woche in 10 Jahren vorstellst – du darfst ganz wild träumen – wie sähe sie aus?

Ein typischer Montagmorgen sollte mit einem gemeinsamen, etwas chaotischen Frühstück beginnen. Dann fahre ich meine Kinder in den Kindergarten oder in die Schule und dann zur Arbeit in die Gemeinde, hier und da ein paar organisatorische Treffen und dann widme ich mich irgendeinem Projekt, das wir als Gemeinde starten. Am Abend kommen wir wieder als Familie zusammen um gemeinsam Abend zu essen. In den folgenden Tagen werde ich neben einigen Meetings und Gesprächen die Predigtvorbereitung für Sonntag oder den Jugendgottesdienst machen, ein paar Flyer designen und hier und da noch einige Dinge überarbeiten.

Du willst THS besser kennenlernen? Dann schau doch bei einem unserer Cast Tage vorbei oder rufe uns direkt an.

Wir wollen dich ermutigen, der Berufung Gottes für dein Leben nachzugehen.

Deutschland braucht starke Leiter, die einen positiven Einfluss auf ihr Umfeld nehmen und Kirchen am Puls der Zeit bauen.

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