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Online Church – Alles was du dazu wissen musst!

Corona und Online Church - Kirche 2.0

Autor: Daniel Gerstlauer Lesezeit:6 Minuten

Daniel Gerstlauer ist seit 2016 selbständiger Unternehmer im Bereich Video- und Liveproduction. Zu seinen Kunden zählen unter anderem große ansässigen Sportartikelhersteller, verschiedene Fernsehsender, Event- und Filmproduktionsfirmen. Er lebt mit seiner Frau in Fürth.

Mehr Informationen unter: www.daniel-gerstlauer.de

Gemeinden in der Corona Krise?!

Der freundliche Handschlag des Welcome – Teams am Kircheneingang – nicht mehr möglich. Die Corona-Krise hat unsere Gemeinden, wie wir sie kennen, von Grund auf verändert. Straßeneinsätze, Flyer- Aktionen, Jugendgottesdienste, Sonntagsgottesdienste, Kleingruppen, das Kirchenkaffee, das Frühlingsfest uvm. kann nicht mehr stattfinden.

Dabei drängt sich unweigerlich die Frage auf: Wie geht es eigentlich weiter? Wie gewinnen wir neue Menschen? Wie erreichen wir unsere Gemeindeangehörigen? Wie können wir die beste Botschaft der Welt ohne Bühne, ohne Licht und all diese Dinge verbreiten? Jahrelang haben wir Gemeinden attraktiver gestaltet, das Angebot erweitert, unsere Gottesdienste optimiert, um mehr Besucher zu gewinnen und nun – alles abgesagt?!

Ein düsteres Bild auf den ersten Blick – könnte man meinen. Doch was, wenn wir all das mal für einen Moment als Chance betrachten, wenn wir erkennen, dass wir nun die Möglichkeit haben, ja sogar gezwungen sind, die gute Nachricht auf neuen Wegen zu verbreiten.

Online Kirche vom Profi

Die Chance - Digitalisierung 2.0

Daniel, in der Corona-Krise liegt auch eine große Chance für die Digitalisierung der Kirche. Jeder möchte jetzt “online” sein. Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste, das man dabei beachten sollte?

Wir sollten meiner Meinung nach beachten, dass wir von unseren linearen kommunikativen Darstellungsformen, wie z.B. unseren Gottesdiensten, wegkommen und online vor allem interaktiv mit den Menschen in Kontakt treten sollten.

So sind z.B. Social Media Kanäle unter anderem so beliebt, weil sie die Möglichkeit zur Interaktion bieten.

Ich glaube, die größte Chance liegt im Moment darin, dass wir online eine weitaus größere Zahl an Menschen erreichen können, wenn wir es richtig angehen.

Videos drehen - Darauf kommt es an

Du hast für THS Zeugnisvideos gemacht, die wir auch über unsere Sozialen Kanäle bewerben. Worauf sollte man bei so einem Dreh achten? Und welche Vorbereitungen sollten dazu getroffen werden?

Entscheidend ist immer, sich vor dem Drehbeginn Gedanken zu machen, wie das Endergebnis aussehen soll. So versuche ich z.B. immer möglichst viele Beispiele im Internet zu sammeln und vorher an der Kamera und im Schnitt einige Dinge auszuprobieren. Dann weiß ich bei den Dreharbeiten möglichst genau, wo ich hinwill.

Bei Interviewsituationen steht und fällt das Ergebnis mit den Fragen. Fragen, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, führen zu einsilbigen Antworten. Zusätzlich helfen Notizen als Interviewleitfaden. So entsteht ein lebhaftes Gespräch.

Und vor allem ist ehrliches Feedback nach jeder Videoproduktion wichtig. Dabei kann es sogar hilfreich sein, Feedback von Leuten zu bekommen, die nicht vom Fach sind. So vermeidet man „Betriebsblindheit“ und bekommt eine neue Perspektive auf das Projekt.

Die wichtigen Tipps für Pastoren

Viele Pastoren sind ja gar nicht ausgebildet im Videobereich – welche grundlegenden Tipps kannst du ihnen mitgeben? Sowohl was das Drehen von Videos als auch das Auftreten vor der Kamera betrifft? 

Bei Dreharbeiten mit Pastoren fällt mir immer wieder auf, dass sie es gewohnt sind, Dinge ausführlich zu besprechen. Für den Videobereich lautet aber mein Rat: Macht kurze Sätze und bringt die Dinge schnell auf den Punkt. So kann die Aufmerksamkeit der Menschen schneller gewonnen werden.

Und ja… achtet auf Dinge wie „Sitzt der Hemdkragen ordentlich?“, „ist da irgendwo ein Fussel am Pullover?“. In einem Video haben die Menschen die Möglichkeit extrem genau hinzuschauen und auf solche Dinge zu achten. Und bei aller Konzentration: Das Lächeln nicht vergessen.

neue Perspektiven

Live Stream Ja oder Nein?

In den letzten Wochen hast du sicherlich einige Online-Gottesdienste gesehen und die Arbeit der Kirchen. Was können wir noch von den größeren Gemeinden lernen bzw. wo wären Verbesserungen wichtig und sinnvoll?

Nun ja, ich glaube, dass die Megachurches gut darin sind, Live-Streams und Videos zu produzieren, wissen wir alle. Darüber hinaus bin ich mir auch nicht sicher, ob es sinnvoll ist, jetzt zu versuchen, dieses Niveau so schnell wie möglich zu erreichen. Mir fällt aber auf, und da nehme ich die großen Gemeinden nicht aus, dass die wenigsten bisher die unglaublichen Möglichkeit der Interaktion auf Social Media Kanälen nutzen. Ich würde mich freuen, die nächsten Wochen mehr und mehr Formate wie „Frag live deinen Pastor“ auf Instagram oder auch ganz neue, nie dagewesene Live-Formate zu sehen. Hier stehen wir vermutlich als Gemeinden noch ganz am Anfang. Jedenfalls denke ich, dass die digitale Zukunft der Kirche über das Live Streaming von Gottesdiensten hinausgehen und neue kreative Ansätze zur digitalen Interaktion brauchen wird.

Ein Ausblick vom Profi

Wie stellst du dir attraktive Online-Angebote von Gemeinden vor, um auch nach der Corona-Krise online weiterhin zu überleben?

Ich würde das gerne am Slogan der ZDF Heute Show deutlich machen: „Täglich im Netz. – Freitags im ZDF“.

Ist es nicht interessant, dass wir die größte Online-Aktivität von Gemeinden sonntags erleben?

Ich glaube und hoffe auf eine digitale Zukunft der Kirche, in der Gemeinden Montag – Samstag online präsent sind und nur am Sonntag so etwas wie ihren online-Ruhetag haben. Wenn wir verstehen, dass wir online immer dann präsent sein müssen, wenn wir es persönlich nicht können, entwickeln sich für Gemeinden riesige Chancen, noch viel mehr Menschen mit der besten Botschaft der Welt zu erreichen.

Bist du bereit

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BERUFUNGSANALYSE

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